Einige Erklärungen zu den präkolumbianischen Kulturen
Kolumbien ist die Ursprungstätte eines meisterhaften Kunsthandwerks, welches im Laufe vieler Jahrhunderte entwickelt wurde. Die nachfolgend beschriebenen Kulturen schufen Erzeugnisse, die in ihren spezifischen Ausprägungen zu den besten des Kontinents zählen. Heutzutage ist die Vielfältigkeit und Ästhetik der präkolumbianischen Goldschmiedekunst in den Museen Kolumbiens und der ganzen Welt zu bewundern.
Die Heimat der Tairona-Kultur befand sich in der Sierra Nevada von Santa Marta. Noch heute existieren einige Nachfahren dieser Kultur, die Coguis, die ganz in der Nähe der Wohnstätten ihrer Vorfahren leben. Die Verarbeitung von Gold und Kupfer und die Anwendung der Tumbaga-Technik war ziemlich weit entwickelt. Ebenso wurde mit großer Perfektion der Gebrauch von Legierungen beherrscht, was sich in sehr schönen Ausarbeitungen von Kopfschmuck, Ohrgehängen und Halsketten-zum Teil in Form von Schmetterlingsflügeln-zeigt.
Schmetterlingsförmiger Nasenschmuck, Tairona, 650-1600
nach Chr.
Ein ganz ganz besonderer Ruf folgt der Sinu-Kultur, gelegen an den Ufern der Flüsse Sinu, San Jorge, Cauca und Nechi. Man kann fast sagen, daß sich die Sinu in Gold kleideten. Selbst ihren Verstorbenen gaben sie Hausrat aus Gold mit ins Grab. Charakteristisch für die Sinu ist die Verwendung der Filigrantechnik, mit der sie die typischen Ohrringe in der Form eines Halbmondes herstellten. Meisterhaft gelang ihnen auch die Ausarbeitung von Tiergestalten, wie dem Jaguar , den Seevögeln und den Fröschen.
Die Muisca-Kultur lebte in dem Gebiet von Cundinamarca und Boyaca. Salz und Smaragde betimmten maßgeblich die Entwicklung dieser Kultur. Mehr noch als reines Gold verwendeten die Muisca die Tumbaga-Technik mit einer Mischung aus Gold und Kupfer zur Herstellung ihrer Schmuckstücke, speziell der weiblichen Figuren und den "Tunjos". Diese kultur gehört zu den wenigen, die Oxidation des Goldes dekorativ einsetzten.
Die Region zwischen Caldas, Quindio und Risaralda bildete den Lebensraum der Quimbaya-Kultur. Ein streng religiöses System, in dem der Sonnenkult eine große Bedeutung hatte, bestimmte das Leben diese Volksstamms. Gold, die Tumbaga-Technik (als Kaltmischung) sowie Legierungen aus Platin und Silber wurden hauptsächlich zur Herstellung von "Poporos", anthropomorphen stehenden und sitzenden Figuren, Halsketten, Klammern, Nasenringen und Tierfiguren wie Fröschen, Fischen und Schidkröten genutzt.
Nasenschmuck, Quimbaya, 200-1000 nach Chr
Der Name Calima bezieht sich nicht auf einen Volksstamm, sondern auf ein geographisches Gebiet im Tal des Flusses Cauca. Funde deuten auf verschiedene Gruppen hin, die in diesem Landstrich lebten. Die Goldschmiedearbeiten dieser Region sind am leichtesten durch ihre Größe und die Verwendung der Walztechnik zu indentifizieren. Typisch war auch das Anhängen kleiner Teile an ein Hauptelement, wodurch beladene und komplexe Schmuckstücke einzigartiger Schönheit entstanden. Weiterhin erstellten sie Brustschmuck, Gehänge, Löffel und Diademe. Zum Herausragendsten zählen jedoch die Köpfe der Anstecknadeln mit ihren mensch- oder tierähnlichen und maskierten Figuren.
Der Volksstamm der Tumaco, beheimatet im äußersten Südwesten der Provinz Narino, war bekannt für die Herstellung großer Tongefäße und Figuren, teilweise auch mit Darstellungen sexuellen Inhalts. Sehr fein strukturierte Schmuckstücke gelangen ihnen mittels der Technik, ihre Arbeiten mit Goldstaub zu dekorieren. Elemente wie kleine Kugeln, Fäden, Nasenringe und Haken heben sich aus ihren Arbeiten hervor, hergestellt aus einem einzigartig reinen Gold.
Brustschmuck in Form einer stilisierten menschlichen Figur,
Tolima, 100-1000 nach Chr.